Treffpunkt Stadtbibliothek“: Mainz als geheime Wiege der deutschen Sprache
Wer hat eigentlich entschieden, wie wir heute Deutsch schreiben? Die Antwort liegt nicht in Berlin, nicht in Wien – sondern in Mainz. Am Mittwoch, 20. Mai 2026, 18.30 Uhr, lüftet Dr. Erwin Kreim in der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek (Lesesaal, Rheinallee 3B, 55116 Mainz) das Geheimnis der Quellen unserer Standardsprache.
Sein Vortrag beim „Treffpunkt Stadtbibliothek“ der Mainzer Bibliotheksgesellschaft verspricht eine Entdeckungsreise, die selbst eingefleischten Mainz-Kennern Neues eröffnen wird.
Lange bevor Goethe zum Olymp der deutschen Literatur avancierte und der Duden entstand, schufen Schreiber in Mainz die Grundlagen für das, was wir heute als Hochdeutsch kennen. Dr. Erwin Kreim hat bei seinen Forschungen ein faszinierendes Geflecht aufgedeckt: Die Kanzlisten der Mainzer Reichserzkanzlei prägten im frühen 16. Jahrhundert eine überregionale Schriftsprache - und beeinflussten damit sogar Martin Luther.
Ihre Dokumente wurden bei den Kämpfen von 1793 vor der Zerstörung gerettet, nach Aschaffenburg gebracht und lagern heute im Wiener Staatsarchiv – weitgehend unbekannt, dabei von unschätzbarem Wert für die Sprachgeschichte. Kreim macht diese verborgene Überlieferung sichtbar und zeigt, wie die Mainzer Reichserzkanzlei, das Archiv des Reichskammergerichts und nicht zuletzt Gutenbergs Erfindung gemeinsam ein Fundament legten, auf dem die deutsche Schriftsprache erst entstehen konnte. Die Erkenntnisse werden nicht nur visuell, sondern auch haptisch präsentiert. Die KI-Perspektive des Titels ist provokant gemeint: Viele der von Kreim erschlossenen Quellen sind digitalen Sprachmodellen noch unbekannt – sie schlummern in Archiven, die bislang kaum digitalisiert sind. Was Maschinen (noch) nicht wissen, weiß Kreim.
Über den Referenten
Dr. rer. pol. Erwin Kreim hat über 50 Jahre im Bankwesen gearbeitet – und gleichzeitig, ebenso lang, die Geschichte der schriftlichen Kommunikation erforscht. Seine Briefsteller-Sammlung mit rund 500 Büchern aus sechs Jahrhunderten zählt zu den „verborgenen Schätzen des Gutenberg-Museums“. In jüngerer Zeit widmet er sich intensiv der Gutenberg-Forschung.
Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.